Die Expositur Ritzlhof – Geschichtslektion für Jung-Florianer

Nur mehr wenigen Florianerinnen und Florianern dürfte die Verbindung zwischen unserer Lehranstalt und der Lanwirtschaftlichen Fachschule Ritzlhof bekannt sein. Als gestandene(r) FlorianerIn sollte man aber auch über diese fast ein halbes Jahrhundert zurückliegende Kooperation von höherem landwirtschaftlichen Schulwesen und der Fachschule bescheid wissen. Aus diesem Grund ein kurzer geschichtlicher Rückblick:

Die HLBLA St. Florian wurde am 30. Jänner 1970 feierlich eröffnet. Zu diesem Zeitpunkt wurden aber schon drei Jahrgänge unterrichtet. Wo sind die hergekommen? Hier die Erklärung:

An der ehemaligen Landes-Ackerbauschule und späteren Fachschule Ritzlhof (Gemeinde Ansfelden) wurde bereits im Jahr 1961 eine Expositur des Francisco-Josephinums geführt. In Ritzlhof wurden je ein 1. und ein 2. Jahrgang unterrichtet, die dann im 3. Jahrgang nach Wieselburg übersiedelten und dort ihre Ausbildung abgeschlossen haben.
Diese Expositur wurde von Studienrat Ing. Franz Schmidt – dem ehemaligen Direktor der Fachschule – bis zu dessen tragischen Unfalltod im Jahr 1969 und in der Folge durch den Fachschul-Direktor Dr. Ludwig Klug, geleitet.

Im Schuljahr 1969/70 wurden dann in Ritzlhof drei Jahrgänge unterrichtet, die nach Abschluss der Bauarbeiten an der neuen Schule  Anfang 1970 von Ritzlhof nach St. Florian übersiedelt sind und  so den Grundstock für die HLBLA gebildet haben.
Wenn man es genau nimmt, sind die Absolventen der Jahrgänge 1972 bis 1974 keine 100%igen Florianer, sondern zumindest „Teilzeit-Josephiner“.

Für eigentlich alle Absolventinnen und Absolventen sind die Umstände, unter denen die Schüler damals unterrichtet wurden, kaum mehr vorstellbar. Dazu gehörte z.B.:

  • Zwingende Unterbringung im Internat in Zimmern mit bis zu 10 Betten
  • Erstmalige Nachhausefahrt nach Schulbeginn zu Allerheiligen
  • Der teilweise atemberaubende Gestank – vornehmlich in den Nachtstunden – der Papierfabrik Nettingsdorf
  • Studium auch am Sonntag vormittags nach dem Kirchgang (z. Teil gab es anstelle dieses Studiums auch ein ‚Stündchen Mathematik‘)
  • Wochenlange monotone Praxisstunden beim – heute auch nicht mehr vorstellbar – Zuckerrüben-Vereinzeln bzw. Hacken und bei der Karottenernte. Nur besonders Privilegiete – zu denen der Verfassers dieses Beitrags leider nicht zählte – verbrachten die Praxisstunden im Mostkeller des Landesgutes Ritzlhof
  • Und die Tradtion des sogenannten ‚Pasterns‘. Hier wurden in einer bestimmten Nacht die ‚Jahrlinge‘ durch die ‚Doppeljahrlinge‘ mit Schuhpasta (vorwiegend in schwarzer Farbe) eingecremt. Diese Tradition fand jedoch im Schuljahr 1967/68 durch das unerwartete Auftauchen von Ing. Perlet im Internat während der Herabwürdigung der Jahrlinge ein jähes Ende.

Von den damals in Ritzlhof für die ‚Mittelschüler‘ tätigen Lehrkräfte sind nur wenige nach St. Florian mitgezogen und haben dort teilweise noch längere Jahre unterrichtet. Dazu zählten u.a. Prof. Paul Meixner und Ing. Walter Perlet.

Der Kreis schließt sich insofern, als der jetzige Direktor der LFS Ritzlhof – Ing. Franz Zobl – ein Absolvent der HLBLA St. Florian ist. Dieser hat mir dankenswerterweise auch die alten Dokumente aus dem Fundus vom Ritzlhof zur Verfügung gestellt.

Alte Ansicht von Schule und Landesgut Ritzlhof

Alte Ansicht von Schule und Landesgut Ritzlhof

Studienrat Ing. Franz Schmidt und Dir. Dr. Ludwig Klug waren für die Expositur zuständig

Studienrat Ing. Franz Schmidt und Dir. Dr. Ludwig Klug waren für die Expositur zuständig

Auszug aus einer Festschrift des Ritzlhofs

Auszug aus einer Festschrift des Ritzlhofs

 

 

 

 

Diese Lehrer haben von 1961 - 1970 die Schüler der Expositur Ritzlhof unterrichtet

Diese Lehrer haben von 1961 – 1970 die Schüler der Expositur Ritzlhof unterrichtet

cof

Liste der Expositur-Schüler von 1961 – 1969

Zufällige Beiträge