Aus dem Lebenslauf eines „Florianers“

Studienrat Ing. Friedrich „Fritz“ Rinnhofer ist ein Maturant des ersten Jahrganges (1972) und hat als einer der ersten Florianer den Berufsweg des Landwirtschaftslehrers ergriffen. Er war von 2000 bis zu seiner Pendionierung im Jahr 2011 auch der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Landwirtschaftslehrer/innen und als solcher der oberste Interessensvertretung einer Gruppe, der auch viele Florianerinnen und Florianer angehören.

Als Vorbereitung bzw. Ergänzung zu einem Artikel im nächsten „Florianer“ über unsere Absolventinnen und Absolventen im landwirtschaftlchen Schulwesen, bringen wir nachfolgedn den sicher sehr interessanten Rückblick von Fritz auf seinen schulischen und beruflichen Werdegang. Wir bedanken uns bei ihm für seine Bemühungen.

Als ich 1951 in Ganz, Stmk., geboren wurde, war ich auf dem Kleinbauernhof meiner Eltern bereits das 5. von insgesamt 7 Kindern, wo wir mit mehreren Onkel, Tanten, Cousinen und Großvater sehr karg aufgewachsen sind. Mit nicht einmal 14 Jahren hatte ich meine Schulpflicht erfüllt und hatte dann nach 2 Jahren in der Landwirtschaftslehre die große Chance, zur Aufnahmeprüfung in Wieselburg anzutreten. Dazu hat mich dankenswerterweise der steirische Fachinspektor Stock in der Berufsschule ermuntert. Die Aufnahmeprüfung war eine der größten Hürden meines Lebens, da ich dort nur einer von 260 war, der in diese Schule hineinwollte. Durch die Verlängerung der Schulpflicht auf 9 Jahre und die Umstellung der Höheren Landwirtschaftsschulen auf 5 Jahre hatten sich 3 Geburtsjahrgänge „zusammengestaut“. Die Führung der Expositur am Ritzlhof hat es mir möglich gemacht, meine höhere Schulausbildung dort zu beginnen und mit der Matura 1972 in St. Florian abzuschließen. Meine Zukunft als Bauer war weder durch die Hofübernahme daheim möglich, da ich nur der 3. Sohn war und Hoferbinnen waren damals noch eher selten. Also begann ich das pädagogische Studium in Ober-St. Veit und konnte sofort danach in der Weinbauschule Eisenstadt meinen Dienst antreten. In der damals herrschenden „dienstrechtlichen Steinzeit“ hatte ich bald neben meiner Unterrichtstätigkeit in beinahe allen Gegenständen und der Internatsdienstverpflichtung die Chance, meinen Gerechtigkeitssinn in den Dienst für meine Kollegen zu stellen und habe mich intensiv mit dienst- und besoldungsrechtlichen Angelegenheiten befasst.
Als Landesvorsitzender im Burgenland ab 1985 war ich dann eng mit den Vorsitzenden aller Bundesländer verbunden und konnte als Schriftführer und Schulungsreferent der „Bundesvertretung der Landwirtschaftslehrer“ einen sehr regen Kontakt zu allen Ländervertretern aufbauen. Im Burgenland war ich ab dieser Zeit sehr intensiv in alle Gesetzwerdungen für das landwirtschaftliche Schulwesen eingebunden, da mir die Vertreter des Landes hohes Vertrauen entgegenbrachten. Die Umstellung der Landwirtschaftsschulen auf eine 4-jährige, praxisbetonte Schulform war mir dabei ein ganz besonderes Anliegen. Als der Vorsitzende der Bundesvertretung mit Beginn des Jahres 2000 in den Ruhestand trat (es war übrigens einer meiner ehemaligen Lehrer vom Ritzlhof, Ing. Grammer) wurde ich zum Bundesvorsitzenden gewählt. In dieser Funktion habe ich bei unendlich vielen dienst- und besoldungsrechtlichen Verhandlungen ganz wesentliche Verbesserungen bzw. Erleichterungen für die Landwirtschaftsschulen erreichen können. Die Schüler standen dabei für mich immer im Mittelpunkt, da ich immer vehement die Meinung vertreten habe, dass jeder Hofübernehmer eine gediegene landwirtschaftliche Ausbildung erhalten soll und öffentliches Fördergeld auch an eine solche Ausbildung zu binden ist.
Bemerkenswert in der Tätigkeit als Verhandlungsteilnehmer bei Bund und Ländern war für mich, dass besonders die Ländervertreter eine sehr hohe fachliche und pädagogische Kompetenz mitgebracht haben während dies von so mancher Ministerin so gar nicht behauptet werden konnte. Sehr geprägt war meine Tätigkeit auch von den guten Kontakten zur Pädagogischen Ausbildungsstätte in Wien Ober St. Veit und zu den Ministern und Vertretern des Landwirtschaftsministeriums. Den späteren Minister Mag. Molterer durfte ich bereits während meiner Schulzeit in St. Florian kennenlernen. Die österreichweite Arbeit für die Landwirtschaftsschulen und Landwirtschaftslehrer ging mit meiner Pensionierung 2011 zu Ende und wurde durch den Herrn Bundespräsidenten durch die Verleihung des Berufstitels „Studienrat“ auch öffentlich gewürdigt.
Die Schulzeit am Ritzlhof und in St. Florian war zu jener Zeit doch eher eine streng-konservativ-genügsam-harte Zeit und aus dieser Sicht eine sehr prägende. Andererseits war dies sehr formend und hat mich sehr dankbar werden lassen dafür, dass es vor mehr als 50 Jahren Lehrer gegeben hat, die so wie unser erster Direktor Schmidt die Zukunft des bäuerlichen Nachwuchses in den Mittelpunkt ihrer Berufsarbeit gestellt haben. Und was den Florianern bis heute geblieben ist, das ist die Freundschaft, die jede Begegnung, jedes Maturatreffen zu einem Erlebnis werden lässt und jenen Geist aufleben lässt, der uns in der Zeit des gemeinsamen Lebens und Lernens zusammengeschweißt hat.

StR Ing. Friedrich Rinnhofer
Eisenstadt, 5. Juli 2018

 

Fritz Rinnhofer mit Minister Berlakovich und seinem Nachfolger als Bundesvorsitzender Plaschg (v.l.n.r.)

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Fritz Rinnhofer bei seinem Abschied zum Pensionsantritt

 

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